Zusteller als GPS-Knechte der Postunternehmen – ein Trugschluss!

Gastbeitrag Bert Fröstel (PLT Software) - Berlin,

„Die Freiheit des Menschen ist unantastbar!“ – Unser Grundgesetz statuiert diesen Freiheitsansatz bereichsübergreifend, egal ob im Privaten oder auf der Arbeit: grundsätzlich darf es keine Freiheitseinschränkung geben. Diese Argumentation hört und liest man oft, wenn es um den Bereich der Digitalisierung geht. Hier werden schnell globale Totschlagsargumente, wie „Überwachung“ und „unzulässige Datenerhebung“ ins Feld geführt. So etwa im Blog Datenschutzbeauftragter-info.de – besonders häufig betroffen: der Bereich GPS-Tracking!

Grundsatzfrage: Was ist GPS-Tracking?

Satellitenansicht Europa

Beim Tracking werden satellitengestützte Ortungssysteme genutzt, die einen entsprechenden Transponder bis auf wenige Meter genau lokalisieren. Über Datenschnittstellen in Warenwirtschaftssysteme und auf digitalen Karten können diese Positionen dargestellt werden. GPS-Tracking zeichnet somit Postions- und Bewegungsmuster auf. Verbunden mit digitalen Sendungsnachweisen bilden sie einen wichtigen Baustein bei der Digitalisierung der (Post-)Zustelllogistik. Würden die erhobenen Daten jedoch ausschließlich oder zumindest hauptsächlich zur Beobachtung von Personen benutzt, wäre das unzulässig - logisch, denn dann verstieße das verwendende Unternehmen gegen das Bundesdatenschutzgesetz.

Frage: Geht es beim GPS-Tracking um Zusteller-Überwachung?

Die Interessenslage entscheidet also (mit). Grundsätzlich steht beim GPS-Tracking produktbezogene Überwachung einzelner Sendungen – egal ob Paket, Päckchen oder Einschreiben – im Fokus. Die neuen digitalen Services von Wunschzeitfenster, Echtzeit-Darstellung des Zustellfahrzeuges oder kurzfristige Veränderungen der Zustellbedingungen benötigen eine genaue Erfassung des Sendungsstandortes. Ohne dessen eindeutige, datentechnische Ermittlung sind gut funktionierende Zustellungen in Zukunft wohl die Ausnahme.

Durch das steigende Paketaufkommen der vergangenen Jahre sind heute etwa 50 Prozent mehr Zustellfahrzeuge auf den Straßen als noch vor 10 Jahren. Da diese zudem ganztägig unterwegs sind – Stichwort: Abendzustellung – werden die ohnehin kritisierten Verkehrsbelastungen in Zukunft weiter (deutlich) ansteigen. Eine neue Flexibilität muss her und die erfordert (unter anderem auch) optimale Daten. (Ein weiterer Blogbeitrag zum Thema: Digitalisierung bringt Potentiale – Mitarbeiterzahlen hinken hinterher)

Zusteller als Knechte ? – Die Realität ist deutlich anders

Die Logistik nimmt in der Wertschöpfung vieler Unternehmen heute einen höherenStellenwert ein als früher. Dadurch benötigen Zustellunternehmen, auch aufgrund neuer Anforderungen des Postlogistik-Marktes, vermehrt Personal. Der Kampf um gute Mitarbeiter, insbesondere Zusteller, ist voll entbrannt. Das betrifft sowohl die Zusteller der Tages- und Wochenzeitungen als auch die Paketzusteller. Durch die oben genannten Zustellungsservices müssen insbesondere Paketzusteller ein immer höheres Maß an Flexibilität, Technikkenntnis, aber auch soziale Kompetenzen aufweisen.

Dekra-Check Softskills von Arbeitnehmern

Die Logistikunternehmen haben erkannt, dass qualifizierte, treue Mitarbeiter ein wichtiger Erfolgsfaktor in der heutigen Servicewelt sind. Und sie kümmern sich nach Kräften darum. Private Postzusteller sind im Personalbereich heute oft hervorragend aufgestellt und bieten neben interessanten  Arbeitsplätzen echte Karrierechancen. Die Personalabteilungen gewinnen Mitarbeiter mit dem Fokus, sie zu binden und legen dafür diverse Vorteilsprogramme auf. Modernste Fahrzeuge sowie Hilfsmittel aller Art werden angeschafft und die Routen werden optimiert um den Arbeitsalltag zu erleichtern. Auch die Bezahlung hat sich verbessert.

All diese Punkte sprechen eher gegen sklavische Zustände sondern einen emanzipierten Arbeitnehmer. Den überall dringend gesuchten Zustellern fällt es heute leicht, sich zwischen vielen, im Wettbewerb stehenden, Zustellunternehmen den besten Arbeitgeber herauszusuchen. Hinzu kommt noch die Konkurrenz außerhalb der Branche. Mancher stapelt eben lieber Ware ins trockene Supermarktregal, als in Regen oder Sommersonne Pakete und Briefe zuzustellen.

Schwere Arbeit - mittlerweile bei Privatpost besser bezahlt

Ja, es ist noch immer eine schwere Arbeit. Doch die Gesamtsituation der Zusteller hat sich auch durch den zunehmenden Konkurrenzdruck der Unternehmen untereinander deutlich positiv entwickelt. Zusteller sind sich bewusst, dass sie keine unmündigen Knechte sondern wichtige Mitarbeiter im Wertschöpfungsprozess ihrer Unternehmen sind. Und natürlich wissen sie als aufgeklärte Mitarbeiter auch, dass eine moderne Servicewelt ohne Tracking heute gar nicht mehr funktioniert- egal bei welchem Postdienstleister, denn die Markterfordernisse gelten für alle. Ihnen ist es ebenso wie ihren Arbeitgebern wichtig, im Wettbewerb der Unternehmen mitzuhalten.

Von regionalen Wettbewerbern erwarten die Kunden heute die gleichen Serviceangebote wie von den Großen. Dass diese Ihre Trackingdaten bereits international den Endverbrauchern darstellen, ist jedem hinlänglich bekannt. Über einige, teils stoisch wiederholte Ansichten zum Tracking können auch sie darum nur die Köpfe schütteln.

Maßnahmen der Optimierung im Sinne der Mitarbeiter

Unternehmen prüfen ihre Arbeitsbedingungen und optimieren dahin, dass es „cool“ wird, bei ihnen Zusteller zu sein.

  • Gewichte besser verteilen
  • Laufwege verkürzen
  • Zwischenablagemöglichkeiten schaffen
  • Fehler bei Adressierungen vermeiden
  • Papier für Arbeitsnachweise einsparen
  • Digitalisierung umsetzen

Ziel ist es, jeden unnötig Mehraufwand zu vermeiden und die Mitarbeiter, wo immer es geht, zu entlasten. Dabei spielt die Qualität verwendeter Daten eine erhebliche Rolle. Oft fehlt es schon daran, dass dieser Part schlichtweg unterschätzt wird. Ist beispielsweise ein Paket-Empfänger noch am Arbeitsplatz und hat dies über die mobile App oder das entsprechende Portal an das Postunternehmen weitergegeben, können nur über Tracking und damit verbundene, dynamisierte Prozesse eine sinnhafte Routenveränderung und zeitnahe Information des Zustellers erfolgen. Das erspart jedoch dem Zusteller Zeit, Laufwege und „Ärger“. Dem Empfänger wird der unnötigen Gang zur Servicestation abgenommen und dem Unternehmen ein zufriedener Kunden beschert – eine „win-win-win“-Situation.

Probleme des Datenschutzes sind ernst zu nehmen

Natürlich kann ins Feld geführt werden, dass die Zusteller bei der Zusammenfassung aller Daten der einzelnen Sendungen de facto komplett überwacht werden. Durch die Einrichtung des gesetzlich vorgeschriebenen Datenschutzbeauftragten und die Integration eines Datenschutz-Planes wird diesem Umstand jedoch Rechnung getragen.Fest steht: GPS-Daten dürfen nicht zur mitarbeiterbezogenen Erfassung von Pausenzeiten oder Fehlverhalten herangezogen werden. Die Grundregel lautet also: Tracking ja – aber nicht zur Überprüfung der Leistungen der eigenen Mitarbeiter sondern nur für die Darstellung des zuzustellenden Postproduktes.

Fazit: Ohne GPS-Tracking geht es nicht - auf die Art und Weise kommt es an

Eine Zustelllogistik mit Menschen auf der ersten und letzten Meile ohne moderne Datenlage kann nicht erfolgreich sein. Die Postunternehmen könnten so auch keine dauerhaften Arbeitsplätze bieten. Ähnlich wie in einem symbiotischen Kreis ist dem Einen die erfolgreiche Arbeit ohne den Anderen nicht ausreichend möglich. Die Unternehmen sind auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Zustellern angewiesen und umgekehrt.

Diese allseitige Erkenntnis führt dazu, dass die Fälle, in denen auf unzulässige Weise auf Daten zugriffen wird, die absolute und nicht zu tolerierende Ausnahme sein sollen und dürfen. Die tägliche Praxis des Marktes erzieht die Unternehmen gleichsam - verwenden sie die GPS-Daten ordnungsgemäß nur für die Verortung der eigenen Produkte und zur Erbringung der eigenen Leistung, werden sie wachsen. Verwenden sie die Daten als Überwachung der eigenen Mitarbeiter, steht die Firma schnell vor dem Ruin. Für eine gesetzestreue Nutzung der erfassten Daten steht der TrackPilot von PLT Software als Partner der Logistiklösung hybriLOG®.

Über PLT:

TrackPilot von PLT Software

PLT-Planung für Logistik & Transport GmbH aus Berlin ist Anbieter von Systemen zur GPS Fahrzeugortung mit intelligenter und dynamischer Tourenplanung in Deutschland. Das GPS-Ortungssystem TrackPilot wurde mehrfach ausgezeichnet und zählt zu den innovativsten Produkten in diesem Bereich. Mit dieser und weiteren Lösungen unterstützt PLT Unternehmen bei der Planung sowie Steuerung von Logistikaktivitäten sowie bei der optimalen Nutzung ihrer Ressourcen. PLT betreut als Lösungspartner u. a. führende Briefdienste, Presse- und KEP-Unternehmen. Mehr Informationen:  www.plt-software.de.

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