Shipping with Amazon – ein neuer Paket-Markt-Player?

Paket-Markt, München,

Die Drohung rauscht gewaltig durch die Paket-Logistik-Branche – Internetriese Amazon will einen eigenen Paketdienst aufmachen. „Shipping with Amazon“ soll das Ganze heißen und eben genau das tun, was normalerweise im Bereich von DHL & Co. liegt, nämlich Paketsendungen bei Lagern und Geschäftskunden abholen und sie dann an die jeweiligen Empfänger ausliefern. Bei der immensen Expansionswut von Amazon in den letzten Jahren und den hochinnovativen Anforderungen an die eigenen Logistikpartner schien diese Entscheidung förmlich in der Luft zu liegen. Und ganz neu ist die „Offenbarung“ auch nicht, lief doch schon im vergangenen Jahr ein Testversuch in London. Nun soll SWA in Los Angeles großräumig initiiert werden. Was ist also dran an der „Horrormeldung“, die dafür gesorgt hat, dass am Tag der Bekanntgabe nicht nur die Aktien-Kurse von FedEx und UPS, den originär betroffenen Postlogistiker, sondern auch die Papiere der Deutschen Post DHL Gruppe unter Druck gerieten?

Marktanteil-Umsatz-B2C-Onlinehandel-Deutschland-2017

Halb so heiß gegessen wie gekocht

Der Plan vom Onlineplatzhirsch ist zuerst einmal konsequent. Der Aufbau der unternehmensinternen Logistik hat den Lenkern von Amazon deutlich gemacht, wieviel Potential in einer synchronisierten und optimierten Paketlogistik steckt. Dabei gibt es nicht nur die Chance, die eigene Position im Onlinehandel zu festigen und auszuweiten, da die Services, wie „Same-Day-Delivery“ oder „Lieferung in 2 Stunden“ als Meilensteine der Kundenfreundlichkeit angesehen werden. Mittels des flexiblen und sehr schnellen Transfers zum Endkunden erarbeitet sich Amazon dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil vor anderen E-Commerce-Anbietern, was sich deutlich in der Statistik der vergangenen Jahre niederschlägt. Im Jahr 2016 liefen knapp 30 Prozent des Onlinehandelsumsatzes beim B2C-Geschäft in Deutschland durch die Kasse von Amazon.de.

Auf der anderen Seite gilt der Paketmarkt als lohnenswerte Investition in die Zukunft. Allein in Deutschland wird damit gerechnet, dass schon im Jahr 2020 die 4 Milliarden Sendungsgrenze überschritten ist, derzeit sind es etwas mehr als 3 Milliarden. Und da Amazon sich derzeit anschickt, für die eigenen Produkte ein zusammenhängendes Express-Zustellnetz zu entwickeln – warum dann nicht gleich großräumiger denken. Bei all diesen Gedanken sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die derzeitigen Aktivitäten von Amazon schon in der Zustellung der eigenen Artikel deutlich an seine Grenzen stößt, muss doch selbst in Ballungszentren wie Berlin und München auf das Leistungsvermögen der DHL zurückgegriffen werden, um die selbstproduzierten Paketmassen überhaupt mit „Same-Day“- oder „Next-Day“-Delivery ausliefern zu können.

Gefühlte-Marktführerschaft-bei-Logistik-im-e-commerce

Amazon - Markführer bei Paket-Logistik im e-Commerce

Nach außen hin ist die Wahrnehmung der Zustelloptionen durch Amazon herausragend gelungen. Wie nach einer Expertenumfrage beim Statistikportal Statista herausgekommen ist, sehen mehr als 50 Prozent der Befragten Amazon als den Marktführer in puncto Logistik im e-Commerce an. Interessant daran ist, dass die meisten der Versandoptionen nur über die Nutzung der angebundenen Paketlogistiker möglich ist. Nur ein Bruchteil wird über eigene Fahrzeugflotten und Zusteller abgedeckt (bei denen es sich derzeit sowieso nur um Sub-Unternehmer handelt). Also eher eine starke Marketingposition denn ein wirklicher Großangriff – ABER: entscheidend wird sein, wie sich die Paketdienste weltweit und im Besonderen in Deutschland funktional und technologisch aufstellen, um eben die Ausweitung der Aktivitäten von Amazon im Zaum zu halten.

Der Onlineriese treibt mit seinen immer wieder kolportierten Innovationen und Neugründungen die jeweiligen Branchen vor sich her – frei nach dem Motto: Macht es bitte besser und in unserem Sinne, sonst machen wir es selber!“ Und damit sind alle Marktteilnehmer gefordert – die Großen um Platzhirsch DHL bis hin zu den regionalen Paketdiensten. Je besser die eigene Zustellleistung, je technisch sauberer die Datenverarbeitung und Bereitstellung von Informationen für Empfänger und Versender, desto optimistischer die Zukunftsaussichten, trotz oder vielleicht auch gerade wegen der „Shipping with Amazon“.

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