PostNL zieht Reißleine – Entscheidung pro Paket

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Überraschend, aber durchaus nicht ganz ohne Vorzeichen steigt die niederländische PostNL aus dem deutschen Markt aus. Bisher galt der „deutsche Arm“ der Niederländer, die Postcon als der schärfste Konkurrent für die Deutsche Post. Nun steht das Unternehmen mit Sitz in Ratingen zum Verkauf. Interessenten werden sich mit Sicherheit finden, zählt doch die Postcon mit über 3.500 direkten Mitarbeitern und nochmal knapp 2.000 Kräften in den Beteiligungsunternehmen zu den großen Fischen im „Postteich“. Die Anteile an Pin Mail Berlin, dem Postnetzwerk der Mailalliance und verschiedenen anderen alternativen Briefdiensten dürften enorme Strahlwirkung haben.

Ebenfalls auf Gegenliebe bei Investoren stößt mit Sicherheit auch die, nach Firmenangaben, rund eine Milliarden (Brief-)Sendungen, welche die Postcon insgesamt bewegt. Der deutsche Briefmarkt würde weiterhin Erfolg versprechen – Postcon-Chef Dr. Rüdiger Gottschalk gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die Wech­sel­be­reit­schaft geschäft­li­cher Versen­der steigt. […] Große Unter­neh­men und Behör­den sind nicht mehr bereit, das hohe Post­porto zu zahlen und dafür schlechte Quali­tät zu bekom­men“ Nun, etwas differenzierter betrachtet landet nach Recherchen der F.A.Z. doch ein Großteil der Sendungen wieder im Netz der Deutschen Post. Die Kapazitäten der Postcon reichen beileibe noch nicht aus, um eine bundesweite Zustellung zu gewährleisten. Also werden die Briefe bei den Geschäftskunden eingesammelt, vorsortiert und dann an den Marktherrscher DP AG übergeben. Die Rabatte für die entsprechenden Mengen sind gut, aber die Margen anscheinend nicht berauschend.

Paket-Infrastruktur wichtiger als deutscher Briefmarkt

Ist der möglicherweise ausbleibende Gewinn Grund für den Verkauf durch PostNL? Dies scheint eher nur nebensächlich, denn die Begründung lautet: Konzentration auf Paketmarkt und E-Commerce-Wachstum im Kernbereich Benelux. Das klingt nach einer Entscheidung pro Zukunft. Der Briefmarkt im Stammland von PostNL ist im letzten Quartal (im Vergleich zum Vorjahr) um rund ein Zehntel eingebrochen – anders dagegen die Pakete. Ein stattliches Wachstum von 21 Prozent bringt die Entscheider in der Amsterdamer Konzernzentrale dazu, die eigenen Investitionspläne zu hinterfragen und zu überdenken. Die Entwicklungen in puncto Paket bedürfen, wie die aktuellen Restrukturierungspläne von DHL und Hermes zeigen, enormer Anstrengungen und Fokussierung.

Kein Wunder also, dass PostNL die durchaus noch attraktive Braut Postcon und die italienische Tochter Nexive ins Schaufenster stellt. Mit den geplanten Einnahmen sollen enorme Investitionen im Paketbereich dafür sorgen, dass die steigenden Paketmengen auch kostengünstig abgearbeitet werden können. Ob der Käufer von Postcon für den deutschen Markt die gleiche Entscheidung trifft, bleibt abzuwarten. Derzeit kursieren verschiedenste Gerüchte, wer, wie und warum zuschlagen soll – laut Postcon-Chef Gottschalk gibt es noch keine ernsthaften Gespräche. Eines muss jedoch langsam in der Branche der alternativen Briefdienste angekommen sein: Wenn ein Großer, wie PostNL, die Paketsparte als derart wichtig einstuft, sollte jedes regionale Postunternehmen diese Entscheidung als Anreiz für eigene Planungen nehmen.

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