Paket und Brief – Verlagslogistik der Zukunft – Update Mai 2022

Verlagslogistiker und Medienhäuser in der DACH-Region befinden sich im Umbruch und an einer Weggabelung. Die Gretchenfrage lautet: „Mit welchen Produkten stellen wir künftig unsere Zustelllogistik wirtschaftlich gesund auf – wie managen wir auch Paket, Warensendung und Brief digital?

Drei Top-Veranstaltungen zu Medienlogistik – Zeitung, Post & Paket

Die drei wohl wichtigsten Veranstaltungen zur Verlagslogistik und aktuellen Themen der privaten, regionalen Postdienstleister fanden im Mai 2022 in Berlin (BDZV Konferenz Verlagslogistik der Zukunft, Postmarktforum der Bundesnetzagentur) und in Jena (8. SMART CITY LOGISTIK Kongress) statt.

Die wichtigsten Themen (verkürzte Auswahl) aus den Programmen:

1. Stärkung der Pressezustellung Brief und Paket
2. Zustellpersonal binden und finden
3. „Preis-Kosten-Schere" – freier Wettbewerb im Postmarkt?
4. Chancen durch Standards im Post- und Paketmarkt
5. Zukunftsperspektiven: Digitalisierung der hybriden Zustelllogistik
6. Green Deal – Nachhaltigkeit von Transportprozessen auch für Verlagslogistiker!
7. Regionale Versorgungsstrukturen der Zukunft – resilient, lokal, digital.
8. Paketgeschäft: Kooperationen, Sendungsaustausch und Einsatz von KI
9. Elektromobilität auf der letzten Meile – die neue, smarte Citylogistik wird grün
10. Optimierung der Zustellung durch intelligente Gebietsschneidung and Tourenplanung

Highlights BDZV: „Da geht mehr!“ Stärkung der Pressezustellung Post und Paket

Andreas Müller, Geschäftsführer des Medienhauses Aachen, wies eingangs auf die steigenden Löhne und Zustellkosten pro Stück bei Tageszeitungen und Anzeigenblättern hin. Er hatte auch eine Idee im Gepäck für die nachhaltige Stabilisierung der Stückkosten, trotz Mindestlohn und Personalknappheit.

Die Lösung lautet „nehmt künftig Post mit“ – also zunächst Briefe, höherwertige Sendungen und Warensendungen. So kann der mancherorts sinkenden Auflagenzahl bei konstanter Zustellinfrastruktur entgegengewirkt werden. Briefpost und Warensendungen wiederum sind das Fundament für künftiges Paketgeschäft. Die Akquise regionaler Paket- und Postmengen ist die Herausforderung – und die Digitalisierung der Zustellung eine Voraussetzung.

Mike Vette, Geschäftsleitung bei Neue Westfälische Logistik in Bielefeld ging auf die Themen Personalgewinnung, Motivation und vor allem Erhaltung ein.

Die Analyse des eigenen Datenbestandes, vorhandener Strukturen und eine gesellschaftliche Einordung führten zu drei Zielgruppen für die Personalgewinnung: Rentner, die zur Rente etwas hinzuverdienen und agil bleiben möchten, Einkommens-Aufstocker zwischen 41 und 60 Jahren und jüngere Migrantinnen und Migranten bis 30. Dennoch bleiben Personalakquise und Fluktuation ein Dauerthema. Die im Bestandspersonal müssen gehoben, Zusteller(-innen) dauerhaft motiviert werden. Hierfür hat die Neue Westfälische ein ganzes Bündel an Leistungen und Vergünstigungen , wie Mike Vette im Detail berichtete. Dank und regelmäßige Anerkennung der täglichen Leistungen aller Mitarbeiter und die Berücksichtigung individueller Interessen der Zusteller sind ein Muss.

Prof. Dr. Christian Koenig, Direktor ZEI Uni Bonn, erklärte profund und erfrischend das Rechtskonstrukt „Preis-Kosten-Schere (PKS)“ im Postmarkt, ging auf die Rolle der Regulierungsbehörde, die Aufgaben des Gesetzgebers und Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb im Post- und Paketmarkt .

Conclusio war, dass der Marktrahmen solche Margen möglich machen muss, so dass Investitionen auch für private Postdienstleister aus den Renditen und Gewinnanteilen möglich sind. Dazu sind einige Weichen zu stellen und es muss eine Verdrängung kleinerer Dienstleister durch marktbeherrschende Unternehmen ausgeschlossen sein. Dies gilt sowohl für Teilleistungsvergütungen als auch für offene und versteckte Rabatte.

  • Die Bundesnetzagentur (BNetzA) führt aktuell eine erstmalige PKS-Prüfung im Postsektor durch und sammelt Marktdaten.
  • Die Deutsche Post AG passt Produkte und Preise für Teilleistungen im Januar 2023 an.
  • Für Mitte des Jahres 2022 werden die ersten Zwischenergebnisse der Auswertung erwartet.

Jan Fitzner, Geschäftsführer Druck und Logistik bei Nordwest Mediengruppe Oldenburg (CITIPOST), erläuterte die neuen Chancen durch Standards für Paket und Postsendungen.

Postzustellung lohnt sich“. Mittel- und langfristig werden sich die Mengenverhältnisse umkehren. Höhere Postmengen können die Zustelldichte und Effizienz steigern und die Auflagenverluste kompensieren. Synergien können geschaffen werden, wenn auf die vorhandene Zustellinfrastruktur Zeitung auch Post, Warensendung, Paket und KEP geplant werden. Gerade bei Kurier und Express und zur Flotte passenden Paketvolumina lohnt sich das Postgeschäft im Verbund. Preiskampf und Wettbewerb um die Marktanteile fordern die Akteure im Paketmarkt besonders. Warensendungen, weil oft briefkastenfähig, haben großes Potenzial. Große Einspeiser, auch aus Fernost, bieten hohe Sendungsmengen für die Verteilung auch bei regionalen Verlagslogistikern. Die meisten dieser Pakete sind recht klein und leicht.

Weitere Themen auf dem BDZV Kongress waren die „Digitalisierung der Zustellung“ – also Werkzeuge zur Effizienzsteigerung der Organisation sowie/d.h. Softwarelösungen für Post- und Paketlogistik, Apps für Zusteller. Das Podium (Michael Ulbrich, Geschäftsführung PostModern Dresden; Mirco Wieck, Geschäftsführer pd.Medienlogistik Augsburg und Jan Fitzner GF CITIPOST Nordwest) diskutierte über die Zukunft der Verlagslogistik, reflektierte aufgeworfene Fragen und die Themen des Tages.

Verdopplung der Paketmengen international bis 2026 wird prognostiziert: Laut Statista wird sich das weltweite Paketversandvolumen bis 2026 mehr als verdoppeln und 266 Milliarden Pakete pro Jahr erreichen, verglichen mit 131 Milliarden Paketen im Jahr 2020. Ein starkes Argument für den Einstieg ins Paketgeschäft.

Die Kernthemen auf dem diesjährigen Postmarktforum der Bundesnetzagentur waren Green deal – Anforderungen für grüne, nachhaltige Logistik und neue Modelle für regionale und digitale Versorgungsstrukturen der Zukunft.

Der 8. SMART CITY LOGISTIK Kongress in Jena förderte den intensiven Austausch zwischen Forschung und Praxis. Kernthemen dabei waren zum Beispiel die grüne, (elektro-)mobile letzte Meile, Optimierung der Zustellung durch intelligente Gebietsschneidung, KI sowie die Erfolge im Kooperationsprojekt SMART MULTI-USE LOGISTIK beim Paketaustausch. Mehr dazu auf https://www.dako.de/8-smart-city-logistik-kongress/.