Paket-Kampfpreise fordern Opfer - Post-Vorstand muss gehen

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Der noch vor Monaten gefeierte Paketchef der DPDHL AG Jürgen Gerdes hat erst sein Vorstandsressort räumen müssen und sollte für die Konzern-Eigenentwicklungen im Bereich „Corporate Incubation“ tätig werden. Nun ist Gerdes komplett raus. Der langjährige Vorstand der Sparte Post, e-Commerce und Parcel, kurz PeP, legte am Dienstag während einer Aufsichtsratssitzung aller seiner Ämter nieder.

Dass der seit dreißig Jahren beim Marktführer tätige Gerdes seinen Hut nehmen muss, schien hinter vorgehaltener Hand schon länger gemunkelt zu werden. Ein Grund: die Dumping-Preise beim Marktkampf im Paket – laut welt.de sollen Paketversandpreise von 2 Euro pro Sendung für die großen Versender Amazon oder Zalando vereinbart worden sein. Das brachte der DHL zwar eine große Sendungsmenge, aber zu Preisen, die einen wirtschaftlichen Betrieb schwerlich möglich machen.

Weniger Gewinn durch Paket-Kampfpreise - nun Konsolidierung

Der Konzern steuert nun gegen, in einem Konsolidierungs- und Sanierungsplan will Postchef Frank Appel jetzt das Boot wieder auf Kurs bringen. Von Senkung der indirekten Kosten ist da die Rede – klar gesagt: ehemalige Beamte aus Zeiten des Staatsbetriebes sollen in einem Vorruhe-Programm zum Renteneintritt animiert werden, um so einige Millionen Euro zu sparen. Ob das ohne ein entsprechend notwendiges Nachwuchsprogramm und der schon jetzt vorhandenen Überstundenzahl der Zusteller der bessere Weg ist, bleibt abzuwarten. Aber die Einsparungen werden nicht reichen um die entstehenden Gewinneinbußen aufzufangen (man verstehe das richtig: hier geht es um GEWINN-Einbußen!). Der Konzern hatte seine Prognosen für die Gewinne vor Steuern auf 1.1 Mrd. € senken müssen - aber die Aktionäre finden das naturgemäß nicht amüsant. Die Folge ist vorhersehbar: Das Versandporto wird steigen.

Bücher- und Warensendung rauf, Brief und Paket werden folgen

Nach der schon angekündigten Steigerung des Portos für Waren- und Büchersendungen stehen nun neue Paketpreise und natürlich das Briefporto im Raum. Offiziell braucht die DPDHL als marktbeherrschendes Unternehmen im Briefsektor die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Aber diese Behörde wird sich kaum dagegen wehren – zumal die DPDHL derzeit richtig Werbung und Lobbyarbeit betreibt.

Der Tenor der (postgetriebenen) Vergleiche der Portopreise in Europa ist quasi einfach mit dem Satz zusammenzufassen: „Wir sind die Besten auf dem Kontinent, warum sind wir beim Briefporto nur die Nummer 10?" Hinter uns liegen nur noch Größen wie Zypern, Slowenien, Österreich, die Schweiz und Malta. Da könnte der Briefversender beinahe Mitleid bekommen mit der Post. Damit diese Gemütshaltung auch finanzielle Folgen hat, plant die Konzernspitze einen Anstieg um 10 Cent. Das sind knapp 15 Prozent Zuschlag! Bei rund 70 Millionen Briefsendungen könnten das rechnerisch mehr als 2,5 Mrd. Euro Mehreinnahmen sein. Das freut das Anlegerherz – denn das Mehrgeld gibt es ohne Mehrleistung. Da dürfen sich auch die Marktteilnehmer fragen lassen, was das heißt!

KEP-Unternehmen werden verstärkten Druck bekommen

Hermes Chef Frank Rausch hatte vor einiger Zeit eine Portoerhöhung auch beim Hamburger Paketriesen in den Raum gestellt. Ein nun sehr einfaches Unterfangen, wenn der Platzhirsch kräftig an der Preisschraube dreht. Und der Rest vom Schützenfest? Die KEP-Unternehmen sollten sich klar vor Augen führen, dass die Erhöhung des Briefportos der Post direkt in die Subventionierung der Paketsparte der DPDHL fließen wird – es wird also in Zukunft noch schwieriger, im Paketsektor eine Rolle zu spielen. Wenn also eine digitale Möglichkeit zur Sendungsübergabe und zum Austausch von Paketen bei den verlagsgestützten Paketdiensten kommen muss, dann jetzt. Ansonsten wird der Abstand gegenüber der DHL und den anderen Großen auf lange Sicht uneinholbar.

Ganz nebenbei steht noch ein "Rising Star" unter besonderer Beobachtung. Der Streetscooter war ein besonderes Projekt für Jürgen Gerdes während seiner Vorstandstätigkeit. Der E-Mobile-Hersteller wird noch mal kräftig auf finanzielle Potentiale abgeklopft werden - und möglicherweise könnte da ein Verkauf im Raum stehen. Strategisch ein Desaster, für die Aktionäre kurzfristig aber eine lohnende Entscheidung.

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