Packstation-Machtkampf – DHL investiert gegen Amazon

Postmarkt - DHL - Bonn,

Klingt beinahe nach einer biblischen Story – der Marktriese DHL hat längere Zeit nur sehr überschaubar in sein eigenes Segment Packstation investiert. In manchen Großstädten, wie etwa München wurden sogar Stationen demontiert. Grund, lt. des Unternehmens damals: fehlende Nachfrage. Anscheinend haben sich entweder die Nachfragewerte sprunghaft nach oben entwickelt, oder aber der „Gelbe“ Marktführer fürchtet um Marktanteile, weil der Quereinsteiger Amazon mobilmacht, im wahrsten Sinne des Wortes. Knapp 200 Packstationen des Onlinehändlers gibt es deutschlandweit schon – Tendenz steigend. Egal, welcher Grund nun wirklich vorliegt, über die Notwendigkeit einer solchen Hinterlegungsmöglichkeit gibt es in der Branche eigentlich keine zwei Meinungen mehr.

Natürlich gelb – Packstationen bleiben DHL-Land

Neue Packstationen der DHL

Mit rund dreieinhalb Tausend Packstationen im Lande bleibt die DHL unangefochten auf der ersten Position in puncto Netzdichte. Bisher bildeten die gelben Metallschränke aber eher die „Ausnahmeablage“, wenn andere Zustellvarianten nicht genutzt werden konnten. Das soll sich, nach dem Willen der Entscheider beim Paketriesen ändern.

Punkte der Investitionen und Innovationsoffensive

  • Mehrere hundert neue Packstationen deutschlandweit
  • Kompaktere Maße für weniger Stellflächenverbrauch
  • Paketmarkendruck direkt an Packstation (Onlinekauf vorher nötig)
  • Neue Barcodekarte für Dauernutzer

Infolge der Prognosen bei den Paketversandmengen – bis 2021 sollen es nach Bundesverband Paket & Express Logistik (BIEK) rund 1 Milliarde mehr als 2016 (3,2 Mrd.) sein – laufen die Pilotprojekte heiß, um diese Flut von Paketen und Päckchen auch nur annähernd stemmen zu können. Denn eines ist gewiss: Zusteller wachsen nicht auf den Bäumen und die Konkurrenz auf dem Mitarbeitermarkt wird stark zunehmen. Daher sind aufwandsverringernde Zustellmöglichkeiten eine sinnvolle und zukunftsorientierte Variante. Neben den Packstationen stehen dabei Paketbriefkästen, Büro- und Arbeitsplatzlieferungen oder Spät-Service-Stationen auf der Agenda der Paketdienste, nicht nur auf der der DHL.

Kompaktere Packstationen – Warum?

Die Verringerung der Stellfläche hat grundlegend einen entscheidenden Hintergrund – die Logistikflächen, insbesondere die der Post- und Paketunternehmen, werden von Jahr zu Jahr knapper. Gerade in den hochfrequentierten Innenstädten von Köln, Hamburg, Berlin, München oder Frankfurt am Main stellt Platz ein seltenes Gut dar. Zudem sind die Flächen mit erheblichen Miet- oder Pachtausgaben verbunden. Daher liegt es nahe, die Größe der Stationen zu schrumpfen und andererseits die Be- und Entladefrequenz zu verringern. Dadurch werden die Fahrten zwar in der Summe mehr, der Aufwand sinkt jedoch, da die ansonsten möglicherweise einzeln anzufahrenden Adressen zentralisiert abgewickelt werden können.

Mehr Funktionen – Packstation als Mini-Postamt?

Beinahe folgerichtig ist die Integration von neuen Funktionen in das Portfolio der DHL-Packstationen. Paketmarken bzw. Label drucken zu können, beinhaltet eine nur begrenzt aufwändige Veränderung der Technik, führt aber zu erheblichen Bequemlichkeitsvorteilen. Der Kunde kann seine Marke vor der Station im Onlineshop des „Gelben Riesen“ bestellen, den erhaltenen QR-Code oder Strichcode scannen und bekommt dann die Paketmarke und den entsprechenden Platz. Eine gute, einfache und kundenfreundliche Vereinheitlichung des Verkaufsprozesses.

Ein wenig befremdlich, aber durchaus im logischen Verständnis dieser Veränderungen eingebunden, ist die Veränderung der Paket-Nachnahme. Die gibt es in Zukunft nicht mehr an der Packstation – sondern nur noch in den Postfilialen. Ein Schelm, wer sich böses dabei denkt, sind doch Postbank und Kreditangebote in Werbenähe. Da die meisten Nachnahmekunden sehr oft liquiditätstechnisch nicht so gut besaitet sind, will sich die DP/DHL AG hier anscheinend einen gewissen Werbedruck nicht entgehen lassen. Die Umwandlung in ein Postamt ist also nicht das primäre Ziel der DHL – eine automatisierte Self-Service-Station mit vielen Funktionen hingegen wohl schon.

Warum nun der Gedanke einer Konkurrenz zu Amazon?

Spannend bleibt die Frage, warum die DHL nun gerade jetzt diese „tollen“ Innovationen auf den Markt bringt. Auch hier steckt der Teufel im Detail, in diesem Fall in dem Wachstum der Locker-Stationen vom Onlinehandelsriesen Amazon. Innerhalb von Jahresfrist hat Amazon knapp 200 Standorte. Klingt im Verhältnis nicht schlecht – jedoch sind die 3.400 Standorte der DHL über 17 Jahre gewachsen. Bis zur flächendeckenden Zahl von 700 brauchte die DHL knapp 5 Jahre. Würde nun aber das Wachstum von Amazon Locker so weiterginge, wäre die 700 schon im Jahr 2020 geknackt – und normalerweise agiert der Internethändler eher schneller als langsamer.

Es wurde also durchaus höchste Eisenbahn, dass die DHL sowohl funktional als auch netztechnisch aktiv wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich der David-gegen-Goliath-Wettkampf weiterentwickelt. Ginge es nach der Bibel, würde am Ende Amazon den Sieg davontragen…

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