Lastenräder - die Lösung für die letzte Meile?

Zweihundert Jahre nach der Erfindung des Fahrrades hat sich einiges auf den Weg in ein neues mobiles Zeitalter getan. Das Thema Elektromobilität ist in aller Munde - doch hat nicht auch das Fahrrad in unserer Zeit einen Anspruch auf Berücksichtigung? Das Potential von Lastenrädern Autos im Stadtverkehr zu ersetzen, ist nämlich riesig. Besonders die Zustell- und Kurierdienste lernen die logistischen Qualitäten der E-Pedelecs schätzen. Und diese sind nicht zu übersehen: höhere Verkehrssicherheit, geringer Platzverbrauch etc. Dank des Lastenrades können Pakete in den Innenstädten den ganzen Tag zugestellt werden. Bis zu 40 Paketen werden auf einer 2-stündigen Tour transportiert.

Prominente Beispiele aus der Kurier- und Postbranche

In der KEP-Branche wirken sich die vielen Zwischenstopps, die hohe städtische Verkehrsdichte sowie die steigende Menge an kleinteiligen Sendungen und Retouren infolge des boomenden Online-Handels positiv auf den Einsatz von Lastenrädern. Auch um dem Anspruch der Konsumenten an „Same-Day-Delivery“ gerecht zu werden, gewinnen alternative Zustellkonzepte mit Lastenrädern auf der letzten Meile an Bedeutung.

Die Großen der Branche haben schon längst vorgemacht wie nachhaltige Paketzustellung geht. GLS Germany sorgt für umweltfreundliche Zustellung auf der letzten Meile mittels eBikes und eTransporter. In Dortmund bspw. liefert GLS etwa seit März dieses Jahres Pakete mit dem eBike aus. Ab April startete die Testphase für den eTransporter. Ebenfalls seit März dieses Jahres experimentiert der Riese DHL in Frankfurt mit Paketsendung mittels eines vierrädrigen Spezial-Lastenrads - Cubicycle. Weitere Städte sollen nachkommen. Die Deutsche Post verfügt über 1500 E-Trikes, die seit 2013 bundesweit im Einsatz sind.

Lastenfahrräder - staatlich gefördert

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Auch in der Bevölkerung steigt das Bewusstsein für nachhaltige Paketzustellung, die Verbraucher bereit sind, finanziell zu unterstützen. Außerdem entscheiden sich mehr und mehr Familien für das Lastenrad als Alternative zum Auto im städtischen Verkehr.

Kein Wunder, denn die Vorteile des Lastenfahrrades sprechen für sich: umweltschonend, schnell, leicht zu parken. Laufende Kosten für Treibstoff, Versicherung, Steuern sowie Parkgebühren entfallen. Dazu kommt, dass die Summe für ein E-Lastenrad im Betrieb einem Viertel des Preises für einen Kleinstwagen entspricht.

Bundesregierung subventioniert Elektroautos, aber keine elektrisch angebtriebene Fahrräder. Im Rahmen des Förderprogramms Elektromobilität in München werden sowohl gewerbliche als auch private Käufer von elektrisch unterstützten Lastenrädern finanziell bezuschusst. Damit setzt die bayrische Landeshauptstadt ein Zeichen, um auf das Bedürfnis aufmerksam zu machen, Verkehrsströme und –strukturen neu zu definieren.

Blick in Richtung logistische Zukunft

Um dies möglich zu machen, sind weiterhin Anreize für Lastenfahrräder seitens der Politik erforderlich. Längere Zeitfenster für Warenlieferungen per Lastenrad ist nur ein Besipiel möglicher Maßnahmen. Für spezielle Elektrolastfahrräder, die bis zu 30 kg transportieren können, müssen Zwischenlager wie Tiefgaragen oder spezielle Container für die Verteilung vor Ort bestehen. Zumeist existieren die "Vor-Ort"-Verteilplätze in Form von Micro-Depots. Diese sind Paketsammelstellen, untergebracht in Containern oder in geparkten Lastwagen. Ein Pilotprojekt in der Münchner Innenstadt, genauer in dem bekannten Szeneviertel am Glockenbach, zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte.

Nach wie vor bezieht sich der Begriff der Elektromobilität vor allem auf das Auto. Wenn es aber zukünftig mehr Lastenräder genutzt werden sollten, ist notwendig, z.B. die Normen für Radwege zu überdenken. Manchmal geht es um kleine Änderungen, die viel bewirken können. In manchen Innenstädten besteht Fahrradverbot in den Fußgängerzonen - Sondergenehmigungen für Lieferanten könnten eine Lösung des Problems sein. In erster Linie bedarf es einer passenden Infrastruktur und ausreichend finanzieller Mittel, damit sich die großen Potentiale des Pakettransports per „Lastenpedelcs“ zukünftig voll entfalten können.