Kommentar: Bündelung der Ressourcen oder wie die Post ihr Monopol wiederhaben will

München,

Das Märchen vom Sendungsmonopol

Es war einmal, in einem Land mitten in Europa, nördlich der Alpen und südlich von Ost- und Nordsee, da begab es sich, dass ein Unternehmen, ein Betrieb des Staates, alle Post durchs Land transportierte. Erlasse, Rechnungen, Päckchen oder Pakete wurden mehr oder weniger pünktlich befördert – und es war gut.

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Dann entschied der „Rat der Mächtigen“ in der klammen Hauptstadt, das Unternehmen aus dem Staatsbetrieb zu entlassen und einen Markt, einen Basar der Postsendungen zu schaffen. Auf das der Kunde endlich selbst König würde und Versender und Empfänger von Postsendungen schnell, persönlich und angenehm versorgt sind. Doch der alte Meister vom „Gelben Horn“ wollte nicht weichen und gab sich selbst den Mantel eines privaten Unternehmens. In dieser Verkleidung hielt er weiter seine Hand über den Brief- und Pakettransport, oder besser, er hielt sie auf. Doch nach und nach entwickelten sich in bestimmten Bereichen geharnischte Mitspieler und sogar eine regional agierende Gruppe griff in breiter Phalanx an und nach einem Stück vom großen Kuchen. Der Markt gedieh und es war gut.

Doch die Zeit verging und es kam der Fortschritt. Briefe wurde nicht mehr geschrieben, sondern gedruckt und später nur noch durch den wabernden Äther des Internets geschickt. Immer weniger der früher so herzzerreißend umsatzbringenden Schriften gelangen in die Post, der Markt wird kleiner. Dadurch sinkt der Pegel der Schätze in den Kammern des alten Meisters vom „Gelben Horn“. Doch der Morgen dämmert, auch im Lande der Postsendungen – das Paket wird zum Heilsbringer. Nun wäre es doch an der Zeit, dass der alte Meister seinen Mantel abwirft. Und siehe da, sein Hofmeister, seines Zeichens Unternehmenschef, wirft die Idee in den Raume: „Jeder Marktflecken solle doch nur einen Zusteller bekommen – mit nur einem Unternehmen in den Mauern würden Belastungen für die Lungen und der Stress im Verkehre abnehmen!“ Ein Schelm, wer sich dabei Böses denkt und die Gedanken in die Vergangenheit schweifen lässt…

Liberalisierung des Postmarktes - nur bei Paketen!

Die Geschichte der Paketdienste und Postdienstleister in Deutschland ist weniger huldvoll als dieses kleine, humoristische Märchen. Die DP DHL AG hat mit dem Briefmonopol fast hundert Jahre eine durchgängig gewinnabwerfende Cash-Cow gehabt. Kaum ein anderer Industriezweig, möglicherweise abgesehen von den Apothekern, kann so etwas überhaupt denken, geschweige denn für sich in Anspruch nehmen. Seit knapp 10 Jahren ist es damit vorbei – offiziell.

Inoffiziell vollzieht sich die Abkehr vom staatlichen Postmonopol nur in der Paketbranche. Private Postdienstleister und KEP-Dienste haben mittlerweile fast die Hälfte des Marktes für sich erobert. Dabei ist jedoch anzumerken, dass der Löwenanteil auf das Konto der Top-Player DPD, Hermes, GLS und UPS geht. Doch auch die regionalen Paketdienste, wie etwa PostModern oder Nordkurier haben enorme Zuwachsraten in puncto Sendungszahlen und Umsatz. Daher verwundert es eher wenig, dass der Postchef Frank Appel in einem Interview mit dem Handelsblatt verkündet hat, dass er sich für eine „Eine-Stadt-Ein-Zustellunternehmen“-Lösung stark machen würde. Und wenn bei den Äußerungen genau hingehört wird, geht es eben nur um den Paketbereich. Die Sendungszahlen sollen in den kommenden vier Jahren, so eine Schätzung des Paket-Lobbyverbandes BIEK, um 30 Prozent ansteigen. Damit müssten dann über 4 Mrd. Pakete zugestellt werden. Und das soll dann pro Stadt von einem einzigen Unternehmen gestemmt werden? Welches Unternehmen kann denn auf ein derartiges Netzwerk zurückgreifen? Die Antwort überlasse ich gern Ihnen als Leser – aber die dazugehörige Farbe ist relativ sicher gelb.

Paket der Zukunft: Lokal-Monopol vs. offene Kooperationsnetze

Herr Appel fordert also, genau betrachtet, eine lokalisierte Monopollösung, bei der, ebenfalls genauer betrachtet, fast immer die DHL bei einer Ausschreibung die Nase vorn hätte. Sozialismus in Zeiten der Marktwirtschaft! Das ist weder zeitgemäß noch zielführend. Die Zustellung, oder auch „Last Mile“, wird die Anforderungen an Masse, Zustellgeschwindigkeit und Flexibilität nicht durch Zentralisierungsbestrebungen erfüllen, sondern durch dezentrale, offene Netzwerklösungen. Die DP DHL AG arbeitet noch immer aus Sicht eines Monopolisten – sämtliche neuen Lösungen für die letzte Meile werden limitiert auf das eigene Unternehmen und zugangsbeschränkt. Würde da aber weitergedacht, auch von den Marktteilnehmern, könnten kooperative Lösungen, wie etwa für alle Dienste offene Packstationen, Abendlieferungen über Micro-Hubs oder flexible Lieferzeitfenster, nicht mehr nur Wunschvorstellungen, sondern Realität werden. Naturgemäß muss dann auch die DP DHL AG mit im Boot sitzen, sinnbildlich aber weder das Steuer führen noch die Farbe des Rumpfes bestimmen – Ziel muss es vielmehr sein, dass die Ladung an die Frau oder den Mann kommt, so schnell und endkundenfreundlich, wie nur irgend mögklich!

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