Internationaler Paketversand - Sendungsmengen steigen

Postmarkt - München,

Der Paketmarkt wächst, aber die KEP Branche verdient dabei nicht genug. So tönt es seit einigen Tagen durch die Newsletter und Foren der Logistikspezialisten. Grund für diese sehr interessante Aussage ist die Studie der Management-Beratungsagentur A.T. Kearney. Dabei geht es in der „Europe’s International CEP Market: Solid Growth With Challenges Ahead“ allein um das Segment der internationalen Sendungen – ein wohlgemerkt Teilbereich der Sendungslogistik in Deutschland.

Prognose Sendungsvolumen international

Kearney prophezeit 900 Mio. internationale Sendungen

Dabei beeindrucken die Zahlen, denn im Jahr 2016 haben rund 720 Millionen Sendungen ihren Weg zu den jeweiligen Empfängern gefunden. Nach Prognose von A.T. Kearney sollen es 2019 sogar über 900 Millionen sein. Naturgemäß, sonst wäre die Studie ja beinahe sinnfrei, gibt es auch Probleme. Das Hauptproblem wurde in der Preisrückentwicklung der Sendungen gefunden. Waren im Jahr 2014 noch durchschnittlich 44,50 € pro Express-Sendung über die internationalen Kurier- und Expressdienste zu berappen, musste der Kunde 2016 nur noch etwas mehr als 41,60 € ausgeben, um eine schnelle Lieferung international in Auftrag zu geben. Auch bei den Standardsendungen, die eher in den Bereich der Paketdienstleister fallen, sanken die Preise um knapp 1,70 € auf 16,60 €. Die KEP-Branche, die internationale Sendungen anbietet, verdient daher weniger, als sie bei gleichen Sendungszuwächsen mit dem Porto von 2014 verdient hätte.

Gründe für den Abwärtstrend beim Sendungspreis

  • zu billiger Treibstoff
  • zunehmende Nutzung von Standardsendungen
  • abnehmendes Gewicht pro Sendung.

Einfluss auf KEP-Dienste in Deutschland?

Es lohnt sich an dieser Stelle durchaus, diese Studienergebnisse an sich und auf ihre Einflüsse auf die deutschen KEP-Dienste abzuklopfen. Die zu geringen Treibstoffkosten sollten in Deutschland, wo traditionell nicht der preiswerteste Diesel oder das billigste Benzin gezapft wird, zumindest kritisch betrachtet werden. Durch Autobahnmaut, hohe Verwaltungskosten etc. dürften die sogenannten billigen Betriebsmittel für einen deutschen KEP-Dienstleister eher keine Rolle spielen, zumindest nicht in Hinsicht auf seine Leistung – Zuschläge, wie etwa für den Emissionsausgleich oder besonders treibstoffintensive Transportarten, sind in Deutschland eher die Regel als die Ausnahme.

Standardsendungen steigen stärker – getrieben vom B2C-Handel

Punkt 2, die Nutzung von Standardsendungen anstelle von Express-Individualsendungen. Hier greift die Studie hingegen eine Entwicklung auf, die sich seit einiger Zeit eindeutig ablesen lässt. Die Anbieter von Standardsendungen, insbesondere Paketdienste, beschleunigen ihre Services erheblich. Allen voran natürlich die DHL, aber auch die DPD oder Hermes setzen auf immer kürze Sendezeiten und immer schnellere Zustellung. Und trotzdem, und das muss explizit erwähnt werden, steigen die Express-Sendungszahlen deutlich. 2014 waren es 147 Millionen und 2016 schon 171 Millionen. Der Anstieg der Standardsendungen nimmt deutlicher zu – aber wen wundert es. Denn in der weiteren Betrachtung zeigt sich, dass der Haupttransportbereich der B2C-Handel ist. Dort sind Expresssendungen mit Zusatzzahlungen einfach unüblich. Hier wird fast ausschließlich auf standardisierte Versendung gesetzt.

Gewicht und Kraftstoff spielen nur untergeordnete Rolle

Abschließend noch ein kleiner Blick auf das dritte Argument: das abnehmende Gewicht der Sendungen. Für den deutschen Markt hat diese Begründung überhaupt keine Bedeutung – warum? Die simplen Zahlen zeigen, dass bei den Standardsendungen das Durchschnittsgewicht gleichgeblieben ist und bei den Expresssendungen gerade mal um ein Prozent gesunken ist. Klingt nach negativer Entwicklung? Nicht wirklich! Da das Durchschnittsgewicht bei 8,5 Kilogramm lag, reden wir hier über 85 Gramm weniger.

Folgen der internationalen Entwicklung für deutsche KEP-Dienste?

Neben den mehr oder weniger stichhaltigen Punkten der KEP-Studie von A.T. Kearney werden die sinkenden Preise durch zunehmenden Wettbewerb hervorgerufen. Waren vor nicht allzu langer Zeit nur einige wenige, große Anbieter in der Lage, internationale Sendungen abzuwickeln, haben sich durch die Digitalisierung und die Etablierung von verschiedenen neuen Kanälen und auch Auftragsverteilformen laufend mehr Unternehmen im Sektor internationale Sendungen eingefunden.

Hauptprobleme: Zusteller und Digitalisierung

Hinzu kommt, dass die privaten Postdienstleister und Paketdienste mit ihren mittlerweile hoch digitalisierten und harmonisierten Abläufen immer mehr in der Lage sind, das Know-How von Kurierunternehmen für sich zu nutzen. Digitale Plattformen und onlinegestützte Logistikportale tragen außerdem stark zum wachsenden Einfluss der Postunternehmen in diesem Bereich bei. Die Grundprobleme lauten derweil also nicht etwa Treibstoffkosten oder Gewichtsabnahme pro Sendung sondern eher Arbeitnehmer-Zahl und Digitalisierungsstand. Die Sendevolumina werden im zweistelligen Prozentbereich steigen – derzeit fehlen den großen Paketdiensten in Deutschland schon 6.000 Zusteller, Tendenz stark steigend. Durch Optimierung und Automatisierung der Prozesse, worin einer der größten Potentiale einer durchgängigen Digitalstrategie liegt, können bestimmt Mengen aufgefangen werden. Aber es bedarf einer umfassenden Mitarbeiteroffensive. Nur mit einer Symbiose aus digitaler Technologie, basierend auf Paketbearbeitung, Routenplanung sowie optimierenden Eingriffen in Echtzeit, und genügend Manpower werden die prognostizierten Sendungsmengen überhaupt bewerkstelligt werden können – ansonsten wird der Preis nicht das Einzige sein, was sinkt!

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