E-Post – mehr als die kleine Schwester der E-Mail

Postmarkt - Entwicklung - München,

Die Digitalisierung des Postlogistik-Sektors schreitet voran, sowohl in der Intralogistik durch GPS-Tracking-Datenströme, dynamische Routenoptimierung und digitale Sendungsübergabe-Prozeduren als auch in der Zustelllogistik direkt am Kunden. Dabei wandelt sich der Kundenbegriff derzeit erheblich – früher umfasste dieser nur den Absender, mittlerweile sehen die Großen der Brief- und Paketbranche auch und vor allem den Empfänger als Kundschaft an. Neben der Erweiterung der eigenen Leistungsadressaten steht für die Postlogistik eines im Vordergrund: die Überführung möglichst vieler Zusatzservices in den eigenen Leistungskatalog.

Augenscheinliche Zusatzprodukte  sind Versicherungen für Pakete, Garantien für Liefer- oder Zustelltage oder Mehrmals-Zustellungen bei potentieller Abwesenheit des Empfängers. Damit sind die Postdienstleister jedoch bei weitem noch nicht ihren Grenzen angelangt. Die Deutsche Post / DHL machen es vor – die intern optimalen Paketmaße werden als Paketprodukte inklusive der Verpackung verkauft. In eine ähnliche Kerbe schlägt die Post mit der sogenannten E-Post.

E-Post-Allgemeiner-Ablauf

Was ist e-Post überhaupt?

Die elektronische Post, kurz E-Post, bei der DP AG auch E-Postbrief genannt, ist, anders als vorab ersichtlich, deutlich mehr als eine simple E-Mail, und qualitativ hochwertiger als ein Fax.

Die E-Post wird im weitverbreiteten MS Office Word aufgesetzt, wie ein normaler Geschäftsbrief. Die Verwendung des entsprechenden Briefkopfes oder der Brief-Vorlage ist problemfrei und wird in seiner Form auch genauso übertragen. Für MS Word existiert eine Erweiterung, die mit einem simplen Knopfdruck die Verwandlung in das zugrundeliegende Transfer-Format durchführt. Dann muss die Versendung an den verschlüsselten Server nur noch gestartet werden. Zu beachten ist hierbei, dass entsprechend hinterlegte persönliche IDs oder Unterschriften ebenfalls fehlerfrei übertragen werden.

Einfache Erstellung und papierlose Übertragung

Jetzt bleibt dem Versender nur noch die Aufgabe zu erledigen, welche Zustellungsform gewählt werden soll. Besitzt der angewählte Empfänger ebenfalls eine E-Post-Box, ist die Zustellung in einem pdf-ähnlichen Format überhaupt kein Problem. Wird, so der Normalfall, keine Anbindung erkannt, wird der Brief vor Ort gedruckt und dann ausgetragen. Druck, Kuvertieren und Abgeben entfällt auf Seiten des Versenders.

Zusatznutzen: Umweltschutz durch weniger Emissionen

Und der Versender kann zusätzlich das Label „Umweltfreundlichkeit“ auf sich übertragen. Durch die digitale Übersendung und den Druck vor Ort wird der faktisch körperliche Transfer nicht benötigt – kein verfahrener Diesel und keine Emissionen sind die Folge. Außerdem sind bisher die Lieferzeit beeinflussende Faktoren, wie Verkehrsstaus oder Fahrerstreiks, praktisch ausgeschaltet.

Viel Licht und etwas Schatten

Bei all den Vorteilen muss gefragt werden, warum es dann erst so wenige E-Post-Boxen in die Büros der Unternehmen geschafft haben. Dies hat aus unserer Sicht mehrere Gründe. Zum einen arbeitet die DP AG als Hauptanbieter sehr zurückhaltend, in puncto Außenwerbung und Marketing. Des Weiteren sind die Boxen nicht unbedingt schnell integriert in die internen Abläufe und in der täglichen Nutzung sehr langsam, wie verschiedene Erfahrungsberichte von Anwendern nahe legen.

Die größte Krux ist wohl aber, dass das System nicht systemoffen gedacht – sondern, typisch „Gelber Riese“, nur und ausschließlich für die eigenen Parameter und Formate eingerichtet wurde. Dabei erschließt erst die Variabilität und Flexibilität einer technischen Innovation neue Kunden und Einsatzgebiete. Für die um voranschreitende Digitalisierung kämpfende KEP-Dienste, wie LVZ-Post, Nordkurier, Biberpost oder PostModern, arbeiten derweil schon an Konzepten, um die E-Post als hybride Versandlösung in die eigenen Abläufe zu integrieren. Die Konkurrenz der Deutschen Post / DHL schläft also auch nicht – eine gute Nachricht für die Zukunft der e-Post.

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