Distributionslogistik – Digital oder out-of-order?

Logistikmarkt - Dresden,

Die private Post weitet ihre Services immer weiter aus. Zustellfenster, Same-Day-Delivery oder kurzfristige Empfängereingriffe bringen derzeit enorme Bewegung in die Postlogistik – quasi jeden Monat gibt es neue Angebote zu bestaunen. Zwar sind die meisten eher noch erste Gehversuche oder Marketing-Gags, jedoch besteht ein zunehmender Druck für die Postdienstleister, ihre eigenen Systeme durchgängig zu digitalisieren. Dieser Digitalisierungsdruck ist aber beileibe nicht nur auf die reine Postlogistik beschränkt, sondern betrifft vielmehr den kompletten Bereich der Distributionslogistik.

Distributionslogistik – Begriffliches

Dabei muss die Distributionslogistik erstmal begrifflich verankert sein, denn nicht jede Warenverteilung fällt darunter – und nicht jede Postleistung ist auch Distribution (auch wenn die Ausnahmen wirklich selten sind.)

Distributionslogistik Systeme

Distribution- oder auch Absatzlogistik beschreibt die Gestaltung, Steuerung und Kontrolle aller Prozesse der Distributionspolitik, die nötig werden, um Produkte von einem Unternehmen zum Kunden zu bringen. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, ob der Kunde ein Endkunde oder ein B2B-Kunde ist. Interessanterweise fällt Distributionslogistik im Falle eines Unternehmenskunden aus dessen Sicht in die Beschaffungslogistik. Es gibt also keine eindeutige Zuordnung – wie so oft entscheidet der Blickwinkel.

Diese kleinen Spitzfindigkeiten sind aber für den Digitalisierungsdruck vollkommen unerheblich. Durch die Bindeglied-Wirkung zwischen Produktion und den nachgelagerten Konsumenten kommt einer optimalen Verzahnung der Abläufe und deren kontinuierlichen und lückenlosen Überwachung eine enorme Rolle zu. Ohne ein einheitliche Digitalkonzept quasi eine unlösbare Aufgabe.

Distributionssysteme als Logistik-Biotope

Die einzelnen Teilnehmer an der Distributionslogistik finden sich zu ganzen Systemen zusammen. So sind etwa die Automobil-Zulieferer in enger logistischer Verbindung mit Speditionen, den Autoherstellern und den Verpackungserstellern – um im Distributionssystem Automobil die optimale Wirkung zu erzielen. Der Autohersteller bestellt Kupplungen, die wiederum beim Kupplungshersteller Bestellungen von Kupplungsteilen bei Zulieferern auslösen – und alles muss dann ortsgetreu und termingemäß transportiert werden.

Dieses einfache Beispiel eines Güterstroms zeigt, dass, wenn ohne wirklichen Zeitverlust produziert werden soll, der Distributionsablauf komplett digitalisiert erfolgen muss. Dabei kommt es auch auf das Distributionsnetz an, das im räumlichen Bereich die Standorte, Depots und Lieferwege integriert hat und bestmöglich funktionieren sollte.

Distributionslogistik Digitalisierungsdruck

Grundprozesse der Distributionslogistik erfolgen mittlerweile digital

Die effiziente Lieferung von Gütern und Produkten unter Einhaltung festgeschriebener Qualitätskriterien bildet also die Grundaufgabe der Distributionslogistik.

Prozesse der Distributionslogistik

  • Administration bei Auftrags- und Bestellabwicklung
  • Transport zur Belieferung von Kunden
  • Umschlag und Kommissionierung
  • Lagerhaltung

Neben den normal operativen Aktivitäten müssen jedoch auch taktische und strategische Planungen geleistet werden, wie etwa der Entwurf von neuen Netzen oder Tourenplänen. Die zunehmenden Bedürfnisse nach möglichst schneller Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen setzen den durchgängigen Einsatz von Informationstechnik voraus. Die adaptive Leerraumkontrolle bei Lkw funktioniert nicht mit Liste und Mobiltelefon. Will ein Logistiker diesen Leerstand minimieren, muss er zeitnah in die Touren- ja sogar die Routenplanung so eingreifen, dass der Fahrer in seinem Ablauf nur geringfügig beeinflusst wird.

Kundenservice der privaten Post beeinflusst Anforderungen an Distributionslogistik

Das normale Ziel der Distributionslogistik ist es, mit möglichst geringen Kosten den vereinbarten Leistungsanspruch zu verwirklichen – Minimierung der Logistikkosten bei Einhaltung des Qualitätsniveaus.

Dabei spielen die privaten Postdienste, derzeit vor allem die Big Player wie DHL, DPD, Hermes oder UPS, das hohe Lied der Flexibilität. Die Lieferflexibilität ist eine der bestimmenden Logistikfaktoren – hinzukommen Termintreue, Zuverlässigkeit und Transportsicherheit. Gerade die flexiblen Eingriffsmöglichkeiten von Kundenseite bringen jedoch das traute System ins Wanken. Wenn der Empfänger eines Paketes beispielsweise während der Zustellphasen noch schnell Lieferzeit oder Zustellort ändert, bringt das vieles durcheinander. Ohne digitale Ordnung wäre hier der Flexibilität schnell eine Grenze aufgezeigt.

Die kleineren Postdienstleister können da nur schwerlich Schritt halten. Insellösungen und versuchte Digitalisierungsansätze funktionieren mehr schlecht als recht. Es gibt natürlich digitale Lösungen, wie etwa hybriLOG®, wo durch einen integrativen Ansatz verschiedenste Systeme eines Postunternehmens auf einen identischen Standard gebracht werden, um eben keine Ressourcen zu verschmähen und Fehlerquellen zu vermeiden. Jedoch ist das Verständnis einer globalen Digitallösung noch nicht komplett in der Postbranche angekommen. Und auch hier gilt das Eingangs Gesagte: bei den Distributionslogistikern jenseits der Post ist das nicht anders.

Das Problem wird in Zukunft aber sein, dass sowohl der Empfänger der logistischen Leistung als auch der Versender ein enormes Interesse an einem flexiblen Service haben werden. Der Hersteller oder Verkäufer kann ein funktionierendes Distributionssystem mehr als noch derzeit als Werbeträger für sich selbst nutzen. Frei nach dem Motto: „Nur bei uns kriegen Sie das Iphone innerhalb von zwei Stunden an einen Ort, den Sie sogar noch bis kurz vorher abändern können!“ – so wird das Logistikmarketing der Zukunft aufgebaut sein!

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