Digitalisierung - (k)ein Riesenthema für die Logistik?

Studien - Berlin,

Wirtschaft-Digital-2017-Digitalsierung-Skepsis

Ein dickes „Wow!“ für die Ergebnisse der neuen Monitoring-Studie „Wirtschaft digital 2017“ vom Bundeswirtschaftsministerium. Eine der Kernaussagen dieser Studie: ein enormer Prozentsatz der befragten Unternehmen hält Digitalisierung nicht für zwingend notwendig. Die Logistiksparte führt dabei die Front der Skeptiker an – mehr als die Hälfte aller befragten Unternehmen der Branche stellen klar, dass Digitalisierung vielleicht ganz vorteilhaft sei, aber eben für andere und nicht für das eigene Unternehmen. Beinahe ist man da geneigt, die Worte der Kanzlerin zu zitieren: „Das Internet ist für uns alle Neuland“ – gut, Frau Merkel muss als Politikerin kein Unternehmen leiten… Jedoch scheint der Tenor vergleichbar.

52 % der Logistikunternehmen sind (noch) skeptisch

Die Ansprüche an Logistikdienstleistungen werden immer zeitkritischer und komplexer. Digitaler Datenstrom und qualitativ hochwertige Ver- und Bearbeitung der Daten im Zustellprozess gehören in den Fokus von Post- und Logistikunternehmen. Vielleicht ist aber in den Führungsetagen noch nicht endgültig angekommen, worin die Vorteile einer digitalen Vernetzung der eigenen Infrastruktur und der Verknüpfung mit der Internetwelt liegen. Auch hier geben die (schon besser digitalisierten) Unternehmen in der Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hervorragende Auskunft. Der Big Player DPD erschafft derzeit seine eigene digitale Logistikwelt. Die Unternehmensführung hat die Potentiale erkannt und setzt kräftig um - und zeigt deutliches Unverständnis für die Ergebnisse der Studie "Wirtschaft digital 2017". Michael Knaupe, Director Customer Experience & Communications bei DPD Deutschland sieht extreme Umschwünge und Umwälzungen gerade in der Postlogistik in den kommenden Jahren. Wir ebenso!

Digitaler Vorteil: Wissen und Effizienz

Die beiden am häufigsten genannten Punkte sind hierbei der Erwerb neuen Wissens und die Senkung der Kosten. Der Wissenserwerb begründet sich aus der Natur der Vernetzung in funktionalen Clustern – je mehr Mitarbeiter in einem Netzwerk verbunden sind, über gleiche Standards und Kanäle kommunizieren und in geteilten Workflows miteinander Arbeiten verrichten können, desto effizienter kann das Wissen des Einzelnen genutzt werden.

Digitalisierung-ein-Riesenthema-fuer-die-Postlogistik/Wirtschaft-Digital-2017 Digitalsierung in der Zukunft

Erweitern Sie diese Sicht auf die Beziehungen einer Firma zu anderen Unternehmen, die als Sub- oder Master-Level-Partner fungieren, potenziert sich das zur Verfügung stehende Wissen. Dadurch werden vorher praktisch unlösbare Aufgaben klassifizierbar, griffiger und am Ende ergebnisorientiert umsetzbar. Hinzu kommen die Synergieeffekte, die sich durch die Aneignung und Integration von Wissen im Unternehmen oder Netzwerk ergeben – Stichworte: Zeiteinsparung oder Verringerung von Arbeitsschritten!

Kostensenkung durch digitale Automatisierung

Und genau an diesem Punkt wird es dann für den Taschenrechner interessant. Durch die Digitalisierung kann der Automatisierungsgrad in einem Unternehmen enorm gesteigert werden. Jede Arbeit, die nicht manuell sondern bestenfalls in Echtzeit durch Datenübertragung und Informationsteilung erfolgen kann, spart pures Geld. Dabei geht es nicht nur um die Senkung der Kosten durch eingesparte Arbeitszeit sondern auch um die Verbesserung der Situation der Mitarbeiter.

Entfällt beispielsweise die Pflege der Datensätze nach einer Zustelltour, kann der Zusteller möglicherweise sogar mehr Zustellvorgänge durchführen. Werden automatische Rückmeldung bei Paketzustellvorgängen integriert, erhält der Geschäftskunde die Erfolgsmitteilung direkt in sein System – kein Kommunikationsaufwand mehr. Die Einsparpotentiale sind enorm!

Nicht zuletzt kann über eine tiefgreifende Digitalisierung auch der Ausbildungs- und Fortbildungsstand in einem Unternehmen extrem vorangebracht werden. Webinare oder Videoschulungen am Arbeitsplatz oder interaktive Testfälle lassen sich digital hervorragend multiplizieren. Zudem wird ein gut geschulter Mitarbeiter (insbesondere Zusteller) auch ein deutlich besserer Markenbotschafter sein – noch ein Nebeneffekt, der ohne Digitalisierung schwerlich zu erreichen ist.

Neue Märkte & Kunden

Digitalisierung nach außen hin zielt hauptsächlich aber auf eine bestimmte Sache ab – mehr Umsatz. Die Erschließung neuer Märkte, die Ansprache neuer Kundengruppen oder die Initialisierung neuer, digital geprägter Produkte ist essentialer Grund für eine gute und tiefgreifende Webdarstellung des eigenen Unternehmens. Hierbei sind es aber nicht nur die Webseite oder der Onlineshop, mit dem die einzelnen Postunternehmen punkten können. Es geht um ein integriertes, digitales System für die Private Post.

Aufgrund der Bestrebungen überregionale Standards für die private Post zu installieren, muss hier dem Wandel in Richtung digitales Unternehmen höchste Priorität eingeräumt werden. Die Nutzung eines Digital-Post-Standards verbunden mit den entsprechenden Kennzeichnungen auf den Postsendungen ist als hoch komplexe Lösung nur dann denkbar, wenn die Dateneingangsvorgänge und die Informationsübermittlung komplett digitalisiert sind. Nur durch die durchgängige Digitalisierung lassen sich die Informationen soweit skalieren und auflösen, dass die Leistungen am Ende übergreifend angeboten und erfolgreich durchgeführt werden können.

Middleware für Anbindung von Top-Geschäftskunden

Zusätzlich werden die Anforderungen der Geschäftskunden der privaten Post immer diffiziler – denn bestenfalls möchte ein B2B Kunde seine Versandlabel automatisiert aus seinem eigenen System für ERP (Enterprise Ressource Planning)  oder CRM (Customer Relation Management) bestellen, auf Rechnung bezahlen und die entsprechenden Zustand-Statusmeldungen übertragen bekommen. Dadurch könnten auch regionale Postanbieter noch besser auf die Bedürfnisse der Industrie eingehen und große B2B-Kunden an Land ziehen. Ohne eine umfassende digitale Lösung auf Seiten der Postunternehmen wäre das schlicht unmöglich!

Neue Digital-Konzepte für die private Post

Ein Bereich wird gern vergessen – wird aber in Zukunft wahrscheinlich eines der Boom-Segmente werden: neue digitale Geschäftsmodelle! Beispielhaft sei hier der Briefsektor genannt. Dieser nimmt jährlich ab. In einigen Nachbarländern, wie etwa Belgien, stützt der Paketsektor sogar schon den der Briefsendungen. Zwei der wenigen Treiber der Sendungsmengen sind hierbei aber immer noch die Serien- und Werbebriefe. Würden diese aber nicht bei der Druckerei in der Nähe des jeweiligen Kunden gedruckt und dann via Post verschickt, sondern dort, wo sie später verteilt werden sollen, könnten rund 35 Prozent der Transportkosten eingespart werden. Hinzu kommt die akute Beschleunigung der Vorgänge. Über eine digitale Schnittstelle eingespeist, würde der Serienbrief nur Minuten bis zur Druckstelle brauchen. Diese e-Post-Modelle könnten in Zukunft den Brieftransfer komplett ablösen – eine innovative Idee, aber auch hier: Ohne Digitalisierung im Postunternehmen bleiben Sie auf der Strecke.

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