Datenbrillen – Zukunft in den privaten Post-Depots

Digitalisierung Postmarkt - München,

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(Quelle: https://www.flickr.com/photos/35468133931@N01/8699901706)

Ein Trend der Digitalisierung ist die weitreichende Minimierung von nicht digital erfassbaren Handlungen. Dazu zählt auch die Verringerung der Handgriffe, die notwendig sind, um etwas in den digitalen Zyklus des Unternehmens einzubringen – eine zukünftige Kernaufgabe der Logistik, insbesondere bei den Abläufen in den Depots der Postdienstleister und Paketdienste. Pick-Zettel, Carrier-Papierlisten oder Versand-Übergabescheine sind zwar noch durchaus gängig, werden aber immer mehr von deren digitalen, papierfreien Pendants ersetzt.

Digitalisierung im Depot – Verringerung manueller Handgriffe

Der Ablauf ist dabei immer wieder gleich: das Paket oder der Brief kommen im Depot oder der Verteilzentrale an, werden gescannt und dann zugeteilt. Bei den Briefen geschieht dies schon nahezu übergangslos digital unterstützt. Bei Paketen, Päckchen und Warensendungen hingegen bilden Scanner, Handhelds und Kameras derzeit noch das Rückgrat des Arbeitsablaufes. Gerade die Erstellung von Routenladungen erfolgt via Pick aus den entsprechenden Regalen. Und da heißt es dann: das Handheld zücken, scannen, Handheld beiseitelegen, Paket dem Regal entnehmen, das nächste Paket suchen usw. Genau an dieser Stelle greift die neue Technologie der Datenbrillen an.

Was ist eine Datenbrille

Eine Datenbrille wurde entwickelt, um dem Nutzer ein extrem hohes Maß an Freiheit während der Verwendung zu garantieren. Die Brille wird einfach, wie normale Augengläser auch, aufgesetzt und projiziert ein Menübild in einiger Entfernung vor dem Auge. Dadurch ermöglicht die Datenbrille die Suche und auch die Statusveränderung von bestimmten Postsendungen, ohne dass der Depotmitarbeiter seine Hände dafür rühren muss. Sämtliche Zusatzinformationen, wie der genaue Standort im Depot oder auch die schnellste Route (bei größeren Depots ein zeitsparendes Gimmick), werden angezeigt. Gesteuert wird das Gerät entweder über Augenbewegungen oder zusätzlich über Sprache, je nach Modell und Integration.

Vorteile einer Datenbrille im Depot-Alltag

Die Vorteile für den Einsatz sind mannigfaltig. Neben der entstehenden kompletten Freiheit beider Hände während des gesamten Arbeitstages beschleunigen sich die Prozesse enorm. Zum einen entfallen Ablegen und Aufnehmen des Handhelds (nachgewiesenermaßen zwischen 5 bis 10 Prozent des kompletten Pick-Vorganges), zum anderen sind die Daten, also Entnahme, Paketdaten, Scanzeitpunkt etc. via W-Lan quasi in Echtzeit im zentralen Datenpool. Von dort wiederum wird sowohl das ERP-System als auch  Routenplanungs- und Product-Life-Cycle-Management-Software gefüttert. Dadurch ergeben sich immense Zugewinne an Genauigkeit der Lieferzeitpunkte, Auslastung der Zustellfahrzeuge und der Fehlervermeidung, da es einen schnellen, internen Abgleich von Soll- und Ist-Zustand ermöglicht.

Die Datenbrille im Post-Depot

Google Data Glasses
(Quelle: dan-lev.com)
Plus  Free-Hand-Nutzung während der gesamten Arbeitszeit
Plus  Echtzeit-Datenübertragung (via W-Lan)
Plus  Pick-Fehler-Vermeidung durch Direktabgleich
Plus  Zeitersparnis & Geschwindigkeitserhöhung
Plus  Vereinfachung von Lagerhaltung & Inventur
Plus  Hoher Individualisierungsgrad für Depotmitarbeiter (Nutzer)
Plus  Mögliche Sprachsteuerung als Zusatz

 

Minus  Stringente W-LAN-Struktur im gesamten Depotbereich
Minus  Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis innerhalb des W-LAN-Netzes
Minus  Vorhaltung eines Backup-Systems (Touchpads, Handhelds)
Minus  Akkulaufzeiten nicht immer ausreichend gut
Minus  Hohe (Erst-)Integrationskosten

Nachteile: Akkulaufzeit begrenzt & Sicherheitskonzept extrem wichtig

Es wäre naturgemäß zu schön, würden nicht auch einige Nachteile zu Buche stehen. Hierbei gibt es viele kleinere Bedenken, aber auch zwei wichtige Punkte. Zum einen sind die Akkulaufzeiten der Datenbrillen zumeist noch sehr überschaubar und die entsprechenden Ladevorgänge oder Wechselzyklen noch nicht hundertprozentig optimiert. Zum anderen, und das muss innerhalb des Postunternehmens klargestellt sein, ist die Übertragung über ein hauseigenes Depot-W-LAN ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Die Verschlüsselung an den W-LAN-Knoten aber auch innerhalb des Systems und bei den Datenbrillen muss fest verankert und über das normale Sicherheitsniveau hinausgehen. Der Empfehlung verschiedener Anbieter, diesen Bereich für das gesamte Unternehmen und dessen digitaler Infrastruktur strategisch zu erneuern und mit der Einführung von Datenbrillen im Depot zu koppeln, kann nur unumwunden zugestimmt werden.

Welche Arbeiten würden vereinfacht durch die Datenbrille?

Diese Frage stellt so mancher Geschäftsführer – und die simple Antwort lautet: eigentlich alle Vorgänge in einem Postdepot. Von der Eingangskontrolle über das Picken bis hin zur Routenbeladung ist der komplette Arbeitsablauf von dem Einsatz der Datenbrille betroffen und wird durch diese enorm beschleunigt. Hinzu kommt die Möglichkeit der Rekonstruktion von fehlerhaften Abläufen, die zur Optimierung der Depot-Abläufe, zur Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter und auch zur Analyse in Vorbereitung von neuen Logistik-Immobilien genutzt werden. Die Vorteile sind also vielfältig, die Nachteile überschaubar und steuerbar.

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