KEP: Amazon geht weiter in den Paketmarkt

Amazon liefert über die eigene Logistics Sparte nun auch Pakete im Ruhrgebiet aus – Mitte April soll die Same-Day-Delivery ebenfalls angeboten werden. Mit der Inbetriebnahme des neuen Paketverteilzentrums in Bochum wird der E-Commerce-Riese endgültig Teil des dortigen Paketmarktes. Amazon trat früher nur Kunde und bestenfalls Cash-Cow der DHL und der anderen Big Player der Postszene in Erscheinung. Nun bringt der Internetriese mit hunderten Fahrzeugen selbst  Sendungen zum Endkunden. Dabei handelt es sich zwar nur um einen kleinen Teil der Paketsendungen des Konzerns, aber es werden dadurch auch Maßstäbe gesetzt, die selbst die Großen der Branche in Zugzwang bringen.

Amazon agiert dabei gewohnt schnell und zukunftsorientiert – denn schon jetzt wird in Dortmund das europäische „Oberverteilzentrum“ gebaut, dass dann den kompletten Sendungsfluss in der und in die EU bezüglich der Amazon-Pakete steuern wird. Demzufolge ist es beinahe folgerichtig, dass der Marktführer in Sachen Onlinehandel auch im Postlogistik-Bereich eine Führungsrolle anstrebt.

Das neue Zentrum in Bochum ist quasi eine Blaupause für künftige Zentren des Konzerns. In der Nähe von urbanen Ballungszentren gelegen, mit hervorragender Infrastruktur und Verkehrsanbindung versehen und auf den Erfahrungen der Standorte in Berlin und München aufbauen, wird das neue Paketverteilzentrum Maßstäbe setzen. Der aus Postsicht wirklich interessante Punkt ist, dass die „Fahrzeuge von Amazon“ eigentlich die Fahrzeuge von lokalen Subunternehmen sind!

Eckdaten von Bochums Amazon-Paketzentrum

Innenansicht eines Paketverteilzentrums von Amazon
  • 8.300 m² Fläche
  • Verteilziele: 14 Städte (unter anderem Bochum, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen und Wuppertal)
  • Derzeit ausschließlich Next-Day-Zustellung (Same-Day-Delivery ab Mitte April geplant)
  • 250 Fahrzeuge (KEP-Dienstleister: DRS Logistik, D&M Logistik, DWK Kurierdienst, AZ-Logistix und Blitz Kurier)

Punkte für eine Bewerbung als Amazon-Paketdienstleister

  • Gewisse Größe des Post-Unternehmens
  • Vorhandene moderne, digitale Infrastruktur
  • Variable Fahrer- und Zustellernetzwerke
  • Zukunftsoffene Investitionsplanung (e-Mobile, Nachhaltigkeitszertifikate)
  • Offene Logistikpotentiale (hohe Ansprüche an Verfügbarkeit & Geschwindigkeit)

Wie können Sie Amazon-Partner werden?

Zu allererst ist eine gewisse Größe des Unternehmens grundsätzlich hilfreich, was viele kleine Kurierdienste schon ausschließt. Des Weiteren muss das KEP-Unternehmen einen hohen digitalen Standard aufweisen, denn Amazon setzt die Integration seiner eigenen Routensoftware voraus. Dieses individuell auf das Zustellgebiet angepasste System hat zudem eine Feedback-Funktion, so dass auch die aktuellen Erfahrungen des Zustellers bei der Nutzung der jeweiligen Route an das System von Amazon zurückgemeldet und selbstlernend mit eingebunden wird. Einzig die reine Fahrerplanung bleibt bei den jeweiligen Subunternehmern. Internes Ziel von Amazon ist es, die lokalen Paketunternehmen und Express-Dienste optimal einzubinden.

Vorteil: Lokale Postdienstleister werden bevorzugt

Dahinter stecken wohl mehrere Argumente. Zum einen versucht Amazon, Abhängigkeiten von größeren Postunternehmen so klein wie möglich zu halten. Allein die Öffnung der Paketversandsparte für Unternehmen jenseits der Top 5 der Paketdienste ist ein deutliches Signal – auch in Richtung der DHL. Aber auch die schon in Berlin und München für Amazon tätigen Dienstleister werden sich nur sehr schwer bundesweit mit Amazon ausdehnen können.

Mit dieser dezentralen Denkweise will Amazon neben der Erhöhung der allgemeinen Servicequalität bei der Zustellung auch die Rate der erfolglosen Zustellversuche auf unter 3 Prozent senken – ein (markiges) Standard-Ziel. Aber gerade die hohe Motivation der kleineren lokalen Zustelldienste dürfte der Umsetzung dieses Zieles sehr entgegen kommen. Wie München zeigt, ist diese Rate durchaus erreichbar. Nach Informationen aus den Kreisen des Onlineriesen soll Bochum bereits in der Startphase diesen Wert erreichen. Wenn dem so ist, dann müssen sich Klein und Groß in der Paketbranche warm anziehen!

Auslastung der Subunternehmen ist enorm

Last, but not least versucht Amazon in seinen Verteilzentren die Auslastung der Subunternehmen möglichst hoch zu gestalten. Ein enormer Vorteil für die verbundenen KEP-Unternehmen. Denn wenn Spezifikationen und Skalierungen optimal umgesetzt sind, bleibt das Zustellfahrzeug nur sehr wenig Zeit stehen. Und das erhöht den wirtschaftlichen Erfolg erheblich. Wenn Sie mit Ihrer Fahrzeugflotte und den anderen Punkten die Vorgaben von Amazon erfüllen, gibt es für die Zukunft eine weitere Möglichkeit, auf dem Paketmarkt voranzukommen – eine Partnerschaft mit Amazon Logistics.

Fazit: Ein weiterer Faktor für die Veränderung des Postmarktes

Und diejenigen, die dies nicht schaffen oder wollen, müssen sich eins vor Augen halten. Der Post- und Paketmarkt steht derzeit vor einem eklatanten Wandel. Praktisch alle Abläufe und Vorgänge werden digitalisiert. Die Big Player arbeiten derzeit an vielen neuen Varianten von Service und Postprodukten, die nur mit einer digitalen Infrastruktur überhaupt möglich sind. Ohne Einsatz der modernen Technologien bei Einrollung, Sortierung, Versendung und Ausrollung wird die Luft in Zukunft sehr, sehr dünn!

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